Vor über 200 Jahren entwickelt die Niederlande ein besonderes Gebiet speziell für arme Menschen: die Kolonien der Wohltätigkeit. General Johannes van den Bosch entwirft diesen einzigartigen Plan und erhält dafür die Unterstützung von König Wilhelm I. (Willem I.). Van den Bosch kauft günstiges, unerschlossenes Land im Norden der Niederlande und gründet in Drenthe, Friesland und Overijssel landwirtschaftliche Kolonien, in denen arme Menschen leben, arbeiten und lernen können. Auch im heutigen Belgien entstehen solche Kolonien. Die Kolonist*innen verändern die Landschaft erheblich. Deshalb sind diese ehemaligen landwirtschaftlichen Kolonien heute so außergewöhnlich, dass die Kolonien-Dörfer nicht nur das Europäische Kulturerbe-Siegel tragen, sondern auch UNESCO-Weltkulturerbe sind. Erlebe die Geschichte der ersten Kolonist*innen im Museum De Proefkolonie, der Waisenkinder im Gefängnismuseum und der Bettlerinnen und Bettler im Besucherzentrum Ommerschans.
Hohe Herrschaften aus weiten Teilen Europas besuchen die Kolonien der Wohltätigkeit (...). Das Konzept inspiriert sie, die Probleme in ihren Ländern ebenfalls mit derartigen Experimenten zu lösen. Auf diese Weise tragen die Kolonien der Wohltätigkeit dazu bei, die Einstellung zu Armut in Europa zu verändern
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Die armen Familien stammen aus verschiedenen Teilen der Niederlande, vor allem aus den großen Städten. Als Belohnung für ihre Arbeit auf dem Land dürfen sie in einem Koloniehäuschen wohnen. Es gibt einen Arzt, die Menschen gehen in die Kirche, und für alle Kinder herrscht Schulpflicht – etwas, das zu dieser Zeit im Rest der Niederlande noch längst nicht selbstverständlich ist. In diesen „Freien Kolonien“ verfügen die Menschen über alle Grundversorgungseinrichtungen. So erhalten sie die Chance auf eine bessere Zukunft. Zum ersten Mal gibt es einen landesweiten Plan zur Bekämpfung der Armut.
Schon bald entstehen auch Kolonien für Bettlerinnen und Bettler in der Ommerschans sowie für Waisen, Findelkinder und verlassene Kinder in Veenhuizen. Sie leben in großen Gebäuden, in denen strenge Regeln gelten und sie hart arbeiten müssen. Bei guter Führung dürfen sie vielleicht in die „Freien Kolonien“. Doch auch dort sind die Regeln streng, und wer sich nicht daran hält, kann ebenso schnell wieder in die Ommerschans oder nach Veenhuizen zurückgeschickt werden.Im heutigen Belgien lässt van den Bosch ähnliche Kolonien errichten – warum sollte man mit der Umsetzung eines guten Plans aufhören? Viele Menschen betrachten das Ganze als Experiment. Kann das Problem der Armut wirklich für immer gelöst werden? Hochrangige Herrschaften aus weiten Teilen Europas besuchen die Kolonien der Wohltätigkeit, um sich vor Ort zu informieren, ob dies tatsächlich möglich ist. Sie berichten voller Eifer darüber: Könnte so etwas auch in ihrem eigenen Land umgesetzt werden? Das Konzept inspiriert sie, die Probleme in ihren Ländern ebenfalls mit derartigen Experimenten zu lösen. Auf diese Weise tragen die Kolonien der Wohltätigkeit dazu bei, die Einstellung zu Armut in Europa zu verändern und Menschen einen würdigen Platz in der Gesellschaft zu geben.
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Auf den Websites der Museen der Koloniën van Weldadigheid in den Niederlanden findet man Tipps für Referate, Facharbeiten oder Aufsätze über die Kolonien.
De Proefkolonie - Pädagogikprogramm
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